ATELIER ROBERT

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AKTUELL



Bis zum Stichdatum 1. Dezember 2020 sind 32 vollständige Bewerbungen und Dossiers für die neue Vergabeperiode des Ateliers Robert eingetroffen. Noch nie in der Geschichte des Atelier Robert gab es so viele hochwertige und spannende Bewerbungen, welche das Auswahlverfahren zu einem höchst anspruchsvollen und auch schwierigen Unterfangen werden liessen.  
Am 7. Dezember 2020 trifft sich die Jury, um zuhanden des Stiftungsrates drei Vorschläge für die Neubesetzung auszuwählen.  
Die Jury besteht aus vier Mitgliedern des Stiftungsrates: 
︎Andrea Heller, Künstlerin, Leubringen/Evilard
︎Markus Furrer, Künstler, Biel/Bienne
︎Rudolf Steiner, Künstler, Biel/Bienne
︎Philipp Gensheimer, Architekt, Präsident Stiftung Atelier Robert
sowie zwei externen JurorInnen:
︎Claudine Metzger, Leiterin Kunsthaus Grenchen
︎Gaudenz Badrutt, Musiker, Biel/Bienne

Nach angeregter Diskussion und sorgfältiger Abwägung werden einstimmig drei Vorschläge zuhanden des Stiftungsrates Atelier Robert verabschiedet. 
Am 15. Dezember 2020 wählt der Stiftungsrat nach eingehender Diskussion einstimmig NICOLAS POLLI als neuen Mieter ins Atelier Robert. Er wird ab dem 1. Mai 2021 im Atelier Robert wohnen und arbeiten. ︎ https://www.instagram.com/nicolaspolli
Der Stiftungsrat möchte sich auch bei allen übrigen Bewerberinnen und Bewerbern herzlich für das Vertrauen und die professionnellen Dossiers und Bewerbungsschreiben bedanken. 

CV Nicolas Polli: 
Geboren in Brusino Arsizio (1989) lebt und arbeitet Nicolas Polli derzeit in Lausanne. Er studierte visuelle Kommunikation an der SUPSI in Lugano und Art Direction an der ECAL. 2012 gründete er zusammen mit Salvatore Vitale das Magazin YET, das mittlerweile 12 Ausgaben umfasst, sich um verschiedene Themen der zeitgenössischen Fotografie dreht und Schweizer Fotografen zusammen mit internationalen Fotografen vorstellt.
Im Jahr 2016 gewann er den Preis HES-SO für sein Projekt Ferox the Forgotten Archives. 2017 wurde Polli für dasselbe Projekt für den Vevey Images Buchpreis, den Unseen Dummy Book Award und den Luma Foundation Dummy Book Award ausgewählt, sowie für den Kasseler Dummy Book Award 2018. Polli wurde auch für den prestigeträchtigen First book award der Aperture Foundation, USA, ausgewählt.
2016 und 2019 wurde er für den "Prix de la relève photographique" von Pro Helvetia ausgewählt. In den Jahren 2018 und 2020 gewann er den Swiss Design Award. 
Ab 2016 beschloss Nicolas Polli, eine eigene Praxis zu gründen und sich auf Fotobücher zu konzentrieren. Seine Forschungen und Interessen führen zur Hinterfragung des Künstlerbuchs und der Rolle des Buchs als Objekt heute. 
Nachdem er an mehreren Büchern für verschiedene Verlage gearbeitet hatte, beschloss er 2018, seinen eigenen Verlag zu gründen: CIAO PRESS. Ciao wurde zu einem Labor, um seine Ideen noch weiter voranzutreiben und mit einer Auswahl von Fotografen, Künstlern und Designern mit der gleichen Energie zu arbeiten. Neben seiner individuellen Arbeit unterrichtet Nicolas Polli Fotobuchdesign und Fotografie in einer Reihe von Schulen und Institutionen durch Workshops.
Im Jahr 2020 hat er das Projekt "Homelife Stilllife" ins Leben gerufen, das ab September 2020 eine Plattform sein wird, um die Ausbildung und das Bewusstsein von Stilllife-Fotografen von zu Hause aus zu fördern.





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GESCHICHTE



Der Maler Léo-Paul Robert (1851-1923) liess gegenüber von seinem Wohnsitz im Unteren Ried ob Biel 1886 ein freistehendes Atelier errichten. Die stattlichen Ausmasse dieses Gebäudes entsprechen dem Treppenhaus des Musée d‘art et d‘histoire Neuchâtel, mit dessen Ausmalung Robert zuvor beauftragt worden war. Sieben Jahre später, 1893, waren die drei monumentalen Gemälde vollendet und wurden in feierlicher Prozession nach Neuenburg überführt. Seitdem diente das Atelier dem Künstler vermehrt auch aus Ausstellungsraum für seine Werke.


Nach dem Tod Léo-Paul Roberts verkauften seine Erben 1926 mit dem gesamten Grundbesitz auch das Ateliergebäude der Einwohnergemeinde Biel und zwar mit der Auflage, es als Museum oder Ausstellungslokal zu erhalten. 


Da diese Auflage vor allem wegen des abgelegenen Standortes auf die Dauer nicht zu erfüllen war, wurde das Atelier zweckentfremdet und immer mehr vernachlässigt. Deshalb ist 1986, hundert Jahre nach der Erbauung des Ateliers, die Stiftung Atelier Robert Biel/Bienne ins Leben gerufen worden mit der Absicht, das Gebäude von der Stadt Biel im Baurecht zu übernehmen, es zu restaurieren und wieder seiner ursprünglichen Zweckbestimmung als Atelier zuzuführen.


Am 11. September 1988 konnte die Stiftung das vorbildlich nach den Regeln der Denkmalpflege restaurierte Atelier der Öffentlichkeit vorstellen. Und am 1. Juni 1989 ist als erste Mieterin des Ateliers die Künstlerin Ise Schwartz aus Bonn eingezogen. Danach waren die Künstler Chris Weibel und Bernd Höppner mit ihrem Sohn Moritz sowie Rudolf Steiner & Barbara Meyer Cesta aka Haus am Gern zu Gast, gefolgt von Ingrid Wildi. Ab November 2010 wohnten Fredie Beckmans und Kamala Dawar im Atelier Robert und wurden im Frühling 2015 von Museng Fischer und Mark Pasquesi mit ihrer Tochter Josy abgelöst. 
Treppenhaus des Musée d'art et d'histoire Neuchâtel




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LÉO-PAUL ROBERT



Léo-Paul Robert (1851-1923) wird als Sohn des Aurèle Robert geboren, der sich nach dem Tod seines Bruders Léopold Robert (1794-1835) in Biel, der Heimat seiner Frau, niederliess. Aurèle hatte seinen Bruder nach Italien begleitet und viele seiner Werke kopiert. In Biel wird er vor allem als hervorragender Porträtmaler bekannt. Er ist der Lehrer seines Sohnes Léo-Paul, der einerseits wegen seiner grossformatigen, symbolistischen Werke, z.B. im Bundesgerichts-gebäude in Lausanne und im Kunstmuseum in Neuenburg, andererseits wegen seiner Naturstudien, etwa der Vögel oder der Raupen, berühmt geworden ist.

Drei seiner zehn Kinder wurden ihrerseits bedeutende Maler:
Paul Theophile Robert (1879-1954)
Philippe Robert (1881-1930)
Paul André Reobert (1901-1977).

Die im Neuen Museum Biel beheimatete Stiftung Sammlung Robert umfasst rund 3000 Werke – insbesondere Tier- und Pflanzendarstellung – der Malerfamilie Robert. 






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DER BAU




Am 10. Juni 1886 wird der Gemeinde Biel ein Baugesuch mit folgendem Begleitschreiben eingereicht: „Herr Paul Robert wünscht, ein Atelier aus Stein zu erbauen und mit Ziegeln einzudecken; er bittet um die Erlaubnis, sofort mit den Arbeiten beginnen zu dürfen, da dieser Atelierbau durch einen bedeutenden Auftrag des Generalkomitees des Neuenburger Kunstmuseums veranlasst wird". Am 14. Dezember 1885 hatte Albert de Meuron seinen Freund Paul Robert, "den qualifiziertesten Künstler für eine Arbeit von diesem Ausmass und von dieser Bedeutung" angefragt, ob er die Ausmalung des Treppenhauses im neuerbauten Neuenburger Museum für Kunst und Geschichte übernehmen wolle. Léo-Paul Robert nimmt den Auftrag an, nachdem die von ihm vorgeschlagenen Themen des intellektuellen, des industriellen und des ländlichen Lebens, dargestellt im Rahmen von neuenburgischen Landschaften, (d.h. Seeufer mit Stadt Neuenburg, dem Plateau von La Chaux-de-Fonds und dem Val- de-Ruz), akzeptiert worden sind.



Beziehungen zum Kanton zeigt auch die Architektur des Ateliers, in dem die Gemälde entstehen sollen: so erinnern Detailformen an typisch neuenburgische Bauten vor allem aus Zeit der Renaissance.



Paul Robert, Architekt seines Atelierhauses, bekennt: „Ich habe als Reaktionär gehandelt, als ich die Pläne für mein Atelier entwarf. Man muss gegen unsere moderne Auffassung, alles industriell herstellen zu wollen, protestieren, wo man kann: mit Hingabe habe ich auch gegen die Gesetze der Symmetrie gesündigt, zum grossen Erstaunen meiner Arbeiter, die meinen, ein Gebäude sei nur dann gut und brauchbar. wenn es in der Art der Kasernen und der grossen Manufakturen mit schnurgerade aufgereihten Fenstern errichtet sei.“



Bei Roberts Atelier im Ried ist denn auch keine der Fassaden, weder die Giebelseite unter der spitzbogigen Ründi, noch die Traufseite mit dem um die Ecke laufenden Balkon, dem Schmuckkamin und dem grossen Oberlicht symmetrisch. Auch das Innere, das ähnliche Verhältnisse simuliert, wie sie im Treppenhaus des Neuenburger Museums existieren, kennt keine Achsensymmetrie. Hinter der Eingangsschmalseite ist in einem Drittel der Raumtiefe das Volumen in drei Geschosse unterteilt, danach folgt der vom Boden bis ins Dach durchgehende Oberlichtsaal. Diese Disposition erlaubte es dem Maler, die im Hauptraum auf Holzrahmen aufgespannten Leinwände aus verschiedener Höhe zu betrachten, ganz wie der spätere Besucher des Neuenburger Museums, der sich im Treppenhaus bewegt. 


Nach Vollendung der Trilogie „La vie intellectuelle, la vie industrielle, la vie agricole“, 1893, diente das Gebäude dem Maler weiterhin als Atelier und nach seiner Übersiedelung in den Jorat bei Orvin vorwiegend als Ausstellungsraum seiner Werke. Seit dem Übergang der Liegenschaft Unteres Ried an die Gemeinde Biel ist das Künstlerhaus nicht mehr im ursprünglich Sinn als Atelier und Ausstellungsraum genutzt worden.

Léo-Paul Roberts Bieler Atelier ist „das wohl stattlichste Künstlerhaus jener Zeit in der Schweiz“, (Dr. Georg Germann, Direktor des Bernischen Historischen Museums). Es ist heute als Baudenkmal von nationaler Bedeutung und als Werk und Wirkungsstätte eines bedeutenden Schweizer Malers unbedingt erhaltenswert.

Dr. lngrid Ehrensperger 


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