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NEWS


Im Rahmen der Bieler Fototage 2026 zeigen Sabine Hess und Nicolas Polli vor ihrem Auszug und als Abschied und Tribut ans Atelier Robert eine Ausstellung im und rund ums Atelier Robert.

Offizielle Eröffnung der Ausstellungen der 29. Ausgabe der Bieler Fototage im Photoforum Pasquart zwischen 18:00 und 22:00 Uhr (Atelier Robert: 18:00 bis 20:00 Uhr)

31. Mai 2026,  16.30h - Talk mit Sabine Hess et Nicolas Polli, anschliessend Pizza-Apéro.


︎ One Bed, Two Blankets, 49 Rules to Move Out Peacefully
Sabine Hess und Nicolas Polli


Das Projekt von Sabine Hess und Nicolas Polli entsteht aus diesem behutsamen Zuhören und aus einer sorgfältigen Aufmerksamkeit gegenüber den gewöhnlichen Gesten, den Objekten, den Rhythmen und den Mikro-Ereignissen, die den Alltag eines Paares ausmachen, das einen gemeinsamen Raum teilt. Im Zentrum des Ateliers Robert befragen sie den Raum, den sie gemeinsam bewohnt, geformt und durchquert haben. Sie beobachten, wie zwei Körper miteinander in Beziehung treten, sich anpassen, sich streifen und innerhalb einer Alltagsarchitektur koexistieren, die aus Stille, kleinsten Gesten und kaum wahrnehmbaren Ritualenbesteht. Jedes Objekt wird zur Spur, jedes Bild zu einem Atemzug, jedes Fragment zu einer schwebenden Erinnerung.

An der Schnittstelle von Fotografie und Installation offenbart ihre Arbeit die fragile Poesie des Zusammenlebens: jenes instabile Gleichgewicht zwischen Bindung und Loslösung, Präsenz und Rückzug, Kontinuität und Transformation. Diese Arbeit verortet sich zugleich in einem Übergangsmoment: dem Verlassen dieser Residenz, nicht als Bruch verstanden, sondern als bewusster, klarer und zutiefst gelebter Übergang. Das Atelier wird zu einem Raum, der von Erfahrungsschichten durchzogen ist, in dem jede Spur, jede Anordnung, jedes Bild die Erinnerung an eine gemeinsam gelebte Zeit trägt. Weggehen verwandelt sich so in einen sensiblen Akt, in eine Geste der Würdigung gegenüber dem Ort und dem, was er ermöglicht, aufgenommen und geschützt hat.

Nach mehreren Jahren des Lebens und Arbeitens in diesem Raum versteht sich die Ausstellung als letztes Kapitel als eine Weise, die emotionalen und logistischen Herausforderungen zu begleiten, die mit dem Verlassen eines Ortes verbunden sind, der zu einem zentralen Bestandteil ihrer persönlichen und künstlerischenGeschichte geworden ist.

Das vorgeschlagene Dispositiv macht eine sensible Kartografie des Wohnens sichtbar, in der der Ort nicht mehr nur Rahmen ist, sondern ein relationaler Organismus, geformt durch Interaktionen, gegenseitige Fürsorge und intime Erzählungen. Indem das Projekt die fragile und wandelbare Dimension des Zusammenlebenserfahrbar macht, steht es in enger Resonanz mit dem Begriff der Vulnerabilität: als Aufmerksamkeit, Verantwortung, Zuhören und Anerkennung des Anderen. Gleichzeitig verwandelt sich das Atelier in eine innere Landschaft, in einen Resonanzraum, in dem sich Erlebtes, Zeit und Erinnerung überlagern. Der Raum ist nichtlänger nur ein Behälter, sondern eine Haut, ein gemeinsamer Atem, ein affektives Territorium, geprägt von der Sanftheit der Gewohnheiten und der Spannung der Metamorphosen.

Um diese Erfahrung zu verlängern, wird «The Last Slice» (31.5.26, 16 :30) das Festival im Atelier Robert beschließen (Gesprächsmomente, Zeiten des Austauschs, sensible Aktivierungen rund um eine Pizza) und das Publikum dazu einladen, zu entschleunigen, sich Zeit zu nehmen, den Ort zu bewohnen, dort zu verweilenund ihn in seiner relationalen und zeitlichen Dimension zu erfahren. Diese Begegnungen ermöglichen ein schrittweises Eintauchen in den Raum und lassen die Residenz nicht als blossen Ausstellungsort erscheinen, sondern als einen Ort, den man erleben, durchqueren und gemeinsam aneignen kann. Das Atelier-als-Ausstellung wird hier zu einem lebendigen Raum, durchzogen von Präsenzen, Erinnerungen und noch nachwirkenden Gesten.

(Text aus dem Programm der Bieler Fototage 2026)

Herstellungsjahr: 2026




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RESIDENZ-ATELIER



︎ Das Atelier Robert ist ein idyllisch gelegenes historisches Atelierhaus des Malers Léo-Paul Robert (1851–1923) in Biel/Bienne, das von der gleichnamigen Stiftung verwaltet wird. Die Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Atelierhaus als lebendigen Ort zu erhalten und so die Kulturszene der Region Biel/Bienne zu bereichern.

Das Atelierhaus wird als Residenz-Atelier für eine Dauer von drei bis fünf Jahren an nicht in Biel/Bienne wohnhafte, auch internationale Kunstschaffende vermietet.

Die Ausschreibung für die Periode 2026-29 ist abgeschlossen, Mietbeginn ist Juni 2026.



︎ The Atelier Robert is a historically significant artist’s studio, idyllically located in Biel/Bienne. It was the studio of the painter Léo-Paul Robert (1851–1923) and is managed by the foundation of the same name. The foundation’s mission is to preserve the atelier as a vibrant space, thereby enriching the cultural scene of the Biel/Bienne region.

The studio is rented out as a residency atelier for a period of three to five years to artists who do not reside in Biel/Bienne, including international creatives.

The call for applications for the 2026–2029 period is closed. The rental period begins in June 2026.



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DAS GEBÄUDE




Am 10. Juni 1886 wird der Gemeinde Biel ein Baugesuch mit folgendem Begleitschreiben eingereicht: „Herr Paul Robert wünscht, ein Atelier aus Stein zu erbauen und mit Ziegeln einzudecken; er bittet um die Erlaubnis, sofort mit den Arbeiten beginnen zu dürfen, da dieser Atelierbau durch einen bedeutenden Auftrag des Generalkomitees des Neuenburger Kunstmuseums veranlasst wird". Am 14. Dezember 1885 hatte Albert de Meuron seinen Freund Paul Robert, "den qualifiziertesten Künstler für eine Arbeit von diesem Ausmass und von dieser Bedeutung" angefragt, ob er die Ausmalung des Treppenhauses im neuerbauten Neuenburger Museum für Kunst und Geschichte übernehmen wolle. Léo-Paul Robert nimmt den Auftrag an, nachdem die von ihm vorgeschlagenen Themen des intellektuellen, des industriellen und des ländlichen Lebens, dargestellt im Rahmen von neuenburgischen Landschaften, (d.h. Seeufer mit Stadt Neuenburg, dem Plateau von La Chaux-de-Fonds und dem Val- de-Ruz), akzeptiert worden sind.



Beziehungen zum Kanton zeigt auch die Architektur des Ateliers, in dem die Gemälde entstehen sollen: so erinnern Detailformen an typisch neuenburgische Bauten vor allem aus Zeit der Renaissance.

Paul Robert, Architekt seines Atelierhauses, bekennt: „Ich habe als Reaktionär gehandelt, als ich die Pläne für mein Atelier entwarf. Man muss gegen unsere moderne Auffassung, alles industriell herstellen zu wollen, protestieren, wo man kann: mit Hingabe habe ich auch gegen die Gesetze der Symmetrie gesündigt, zum grossen Erstaunen meiner Arbeiter, die meinen, ein Gebäude sei nur dann gut und brauchbar. wenn es in der Art der Kasernen und der grossen Manufakturen mit schnurgerade aufgereihten Fenstern errichtet sei.“



Bei Roberts Atelier im Ried ist denn auch keine der Fassaden, weder die Giebelseite unter der spitzbogigen Ründi, noch die Traufseite mit dem um die Ecke laufenden Balkon, dem Schmuckkamin und dem grossen Oberlicht symmetrisch. Auch das Innere, das ähnliche Verhältnisse simuliert, wie sie im Treppenhaus des Neuenburger Museums existieren, kennt keine Achsensymmetrie. Hinter der Eingangsschmalseite ist in einem Drittel der Raumtiefe das Volumen in drei Geschosse unterteilt, danach folgt der vom Boden bis ins Dach durchgehende Oberlichtsaal. Diese Disposition erlaubte es dem Maler, die im Hauptraum auf Holzrahmen aufgespannten Leinwände aus verschiedener Höhe zu betrachten, ganz wie der spätere Besucher des Neuenburger Museums, der sich im Treppenhaus bewegt. 
Nach Vollendung der Trilogie „La vie intellectuelle, la vie industrielle, la vie agricole“, 1893, diente das Gebäude dem Maler weiterhin als Atelier und nach seiner Übersiedelung in den Jorat bei Orvin vorwiegend als Ausstellungsraum seiner Werke. Seit dem Übergang der Liegenschaft Unteres Ried an die Gemeinde Biel ist das Künstlerhaus nicht mehr im ursprünglich Sinn als Atelier und Ausstellungsraum genutzt worden.


Léo-Paul Roberts Bieler Atelier ist „das wohl stattlichste Künstlerhaus jener Zeit in der Schweiz“, (Dr. Georg Germann, Direktor des Bernischen Historischen Museums). Es ist heute als Baudenkmal von nationaler Bedeutung und als Werk und Wirkungsstätte eines bedeutenden Schweizer Malers unbedingt erhaltenswert.  (Dr. lngrid Ehrensperger) 



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LÉO-PAUL ROBERT



︎︎︎Léo-Paul-Samuel Robert, (* 19. März 1851 in Biel/Bienne; † 10. Oktober 1923 in Orvin) war ein Schweizer Maler.

Robert war der Sohn von ︎︎︎Aurèle Robert und Julie Schneider und der Neffe von ︎︎︎Léopold Robert, die – wie auch seine Söhne Théophile Robert, Philippe Robert und Paul-André Robert – ebenfalls Maler waren.



Nachdem Robert von seinem Vater in die Kunst der Malerei eingeführt wurde, bildete er sich ab 1869 an der Münchner Kunstakademie weiter.

1871 starb sein Vater, worauf er zwischenzeitlich wieder ins Ried in Biel zurückkehrte. Es folgten weitere Bildungsaufenthalte in Florenz und Paris. 1896 erhielt er auf der Internationalen Kunstausstellung in Berlin eine kleine Goldmedaille. Im Verlauf seiner Laufbahn malte Robert erst Allegorien, später Landschaftsbilder und zuletzt Aquarelle von Vögeln und Raupen.



Für das ︎︎︎Kunstmuseum in Neuenburg hatte Robert die Wandgemälde im Treppenhaus geschaffen und dafür das Atelier Robert im Ried erstellt.




Drei seiner zehn Kinder wurden ihrerseits bedeutende Maler:
︎︎︎Paul Theophile Robert (1879-1954)
︎︎︎Philippe Robert (1881-1930)
︎︎︎Paul André Reobert (1901-1977).




Die im ︎︎︎Neuen Museum Biel beheimatete Stiftung Sammlung Robert umfasst rund 3000 Werke – insbesondere Tier- und Pflanzendarstellungen – der Malerfamilie Robert.


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GESCHICHTE



Der Maler Léo-Paul Robert (1851-1923) liess gegenüber von seinem Wohnsitz im Unteren Ried ob Biel 1886 ein freistehendes Atelier errichten. Die stattlichen Ausmasse dieses Gebäudes entsprechen dem Treppenhaus des Musée d‘art et d‘histoire Neuchâtel, mit dessen Ausmalung Robert zuvor beauftragt worden war. Sieben Jahre später, 1893, waren die drei monumentalen Gemälde vollendet und wurden in feierlicher Prozession nach Neuenburg überführt. Seitdem diente das Atelier dem Künstler vermehrt auch aus Ausstellungsraum für seine Werke.



Nach dem Tod Léo-Paul Roberts verkauften seine Erben 1926 mit dem gesamten Grundbesitz auch das Ateliergebäude der Einwohnergemeinde Biel und zwar mit der Auflage, es als Museum oder Ausstellungslokal zu erhalten. 



Da diese Auflage vor allem wegen des abgelegenen Standortes auf die Dauer nicht zu erfüllen war, wurde das Atelier zweckentfremdet und immer mehr vernachlässigt. Deshalb wurde 1986, hundert Jahre nach der Erbauung des Ateliers, die Stiftung Atelier Robert Biel/Bienne ins Leben gerufen mit der Absicht, das Gebäude von der Stadt Biel im Baurecht zu übernehmen, es zu restaurieren und wieder seiner ursprünglichen Zweckbestimmung als Atelier zuzuführen.



Am 11. September 1988 konnte die Stiftung das vorbildlich nach den Regeln der Denkmalpflege restaurierte Atelier der Öffentlichkeit vorstellen. Und am 1. Juni 1989 ist als erste Mieterin des Ateliers die Künstlerin Ise Schwartz aus Bonn eingezogen. Danach waren die Künstler Chris Weibel und Bernd Höppner mit ihrem Sohn Moritz sowie Rudolf Steiner & Barbara Meyer Cesta aka Haus am Gern zu Gast, gefolgt von Ingrid Wildi. Ab November 2010 wohnten Fredie Beckmans und Kamala Dawar im Atelier Robert und wurden im Frühling 2015 von Museng Fischer und Mark Pasquesi mit ihrer Tochter Josy abgelöst. Nach deren Auszug im Mai 2020 wurde das Atelier Robert einer umfassenden, knapp einjährigen Renovierung und Sanierung unterzogen. Im Mai 2021 übernimmt der neue Mieter, Nicolas Polli, das frisch instand gestellte Atelierhaus. 




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