Atelier Robert
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AKTUELL



Unter dem Namen ArtImp organisieren die derzeitigen Mieter Museng Fischer und Mark Pasquesi Konzerte mit Neuer Musik und Jazz im Atelier Robert.
Das aktuelle Programm wird laufend auf der Website https://www.artimp.ch veröffentlicht.

 


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GESCHICHTE



Der Maler Léo-Paul Robert (1851-1923) liess gegenüber von seinem Wohnsitz im Unteren Ried ob Biel 1886 ein freistehendes Atelier errichten. Die stattlichen Ausmasse dieses Gebäudes entsprechen dem Treppenhaus des Musée d‘art et d‘histoire Neuchâtel, mit dessen Ausmalung Robert zuvor beauftragt worden war. Sieben Jahre später, 1893, waren die drei monumentalen Gemälde vollendet und wurden in feierlicher Prozession nach Neuenburg überführt. Seitdem diente das Atelier dem Künstler vermehrt auch aus Ausstellungsraum für seine Werke.


Nach dem Tod Léo-Paul Roberts verkauften seine Erben 1926 mit dem gesamten Grundbesitz auch das Ateliergebäude der Einwohnergemeinde Biel und zwar mit der Auflage, es als Museum oder Ausstellungslokal zu erhalten. 


Da diese Auflage vor allem wegen des abgelegenen Standortes auf die Dauer nicht zu erfüllen war, wurde das Atelier zweckentfremdet und immer mehr vernachlässigt. Deshalb ist 1986, hundert Jahre nach der Erbauung des Ateliers, die Stiftung Atelier Robert Biel/Bienne ins Leben gerufen worden mit der Absicht, das Gebäude von der Stadt Biel im Baurecht zu übernehmen, es zu restaurieren und wieder seiner ursprünglichen Zweckbestimmung als Atelier zuzuführen.


Am 11. September 1988 konnte die Stiftung das vorbildlich nach den Regeln der Denkmalpflege restaurierte Atelier der Öffentlichkeit vorstellen. Und am 1. Juni 1989 ist als erste Mieterin des Ateliers die Künstlerin Ise Schwartz aus Bonn eingezogen. Danach waren die Künstler Chris Weibel und Bernd Höppner mit ihrem Sohn Moritz sowie Rudolf Steiner & Barbara Meyer Cesta aka Haus am Gern zu Gast, gefolgt von Ingrid Wildi. Ab November 2010 wohnten Fredie Beckmans und Kamala Dawar im Atelier Robert und wurden im Frühling 2015 von Museng Fischer und Mark Pasquesi mit ihrer Tochter Josy abgelöst. 





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LÉO-PAUL ROBERT



Léo-Paul Robert (1851-1923) wird als Sohn des Aurèle Robert geboren, der sich nach dem Tod seines Bruders Léopold Robert (1794-1835) in Biel, der Heimat seiner Frau, niederliess. Aurèle hatte seinen Bruder nach Italien begleitet und viele seiner Werke kopiert. In Biel wird er vor allem als hervorragender Porträtmaler bekannt. Er ist der Lehrer seines Sohnes Léo-Paul, der einerseits wegen seiner grossformatigen, symbolistischen Werke, z.B. im Bundesgerichts-gebäude in Lausanne und im Kunstmuseum in Neuenburg, andererseits wegen seiner Naturstudien, etwa der Vögel oder der Raupen, berühmt geworden ist.

Drei seiner zehn Kinder wurden ihrerseits bedeutende Maler:
Paul Theophile Robert (1879-1954)
Philippe Robert (1881-1930)
Paul André Reobert (1901-1977).

Die im Neuen Museum Biel beheimatete Stiftung Sammlung Robert umfasst rund 3000 Werke – insbesondere Tier- und Pflanzendarstellung – der Malerfamilie Robert. 






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DER BAU




Am 10. Juni 1886 wird der Gemeinde Biel ein Baugesuch mit folgendem Begleitschreiben eingereicht: „Herr Paul Robert wünscht, ein Atelier aus Stein zu erbauen und mit Ziegeln einzudecken; er bittet um die Erlaubnis, sofort mit den Arbeiten beginnen zu dürfen, da dieser Atelierbau durch einen bedeutenden Auftrag des Generalkomitees des Neuenburger Kunstmuseums veranlasst wird". Am 14. Dezember 1885 hatte Albert de Meuron seinen Freund Paul Robert, "den qualifiziertesten Künstler für eine Arbeit von diesem Ausmass und von dieser Bedeutung" angefragt, ob er die Ausmalung des Treppenhauses im neuerbauten Neuenburger Museum für Kunst und Geschichte übernehmen wolle. Léo-Paul Robert nimmt den Auftrag an, nachdem die von ihm vorgeschlagenen Themen des intellektuellen, des industriellen und des ländlichen Lebens, dargestellt im Rahmen von neuenburgischen Landschaften, (d.h. Seeufer mit Stadt Neuenburg, dem Plateau von La Chaux-de-Fonds und dem Val- de-Ruz), akzeptiert worden sind.



Beziehungen zum Kanton zeigt auch die Architektur des Ateliers, in dem die Gemälde entstehen sollen: so erinnern Detailformen an typisch neuenburgische Bauten vor allem aus Zeit der Renaissance.



Paul Robert, Architekt seines Atelierhauses, bekennt: „Ich habe als Reaktionär gehandelt, als ich die Pläne für mein Atelier entwarf. Man muss gegen unsere moderne Auffassung, alles industriell herstellen zu wollen, protestieren, wo man kann: mit Hingabe habe ich auch gegen die Gesetze der Symmetrie gesündigt, zum grossen Erstaunen meiner Arbeiter, die meinen, ein Gebäude sei nur dann gut und brauchbar. wenn es in der Art der Kasernen und der grossen Manufakturen mit schnurgerade aufgereihten Fenstern errichtet sei.“



Bei Roberts Atelier im Ried ist denn auch keine der Fassaden, weder die Giebelseite unter der spitzbogigen Ründi, noch die Traufseite mit dem um die Ecke laufenden Balkon, dem Schmuckkamin und dem grossen Oberlicht symmetrisch. Auch das Innere, das ähnliche Verhältnisse simuliert, wie sie im Treppenhaus des Neuenburger Museums existieren, kennt keine Achsensymmetrie. Hinter der Eingangsschmalseite ist in einem Drittel der Raumtiefe das Volumen in drei Geschosse unterteilt, danach folgt der vom Boden bis ins Dach durchgehende Oberlichtsaal. Diese Disposition erlaubte es dem Maler, die im Hauptraum auf Holzrahmen aufgespannten Leinwände aus verschiedener Höhe zu betrachten, ganz wie der spätere Besucher des Neuenburger Museums, der sich im Treppenhaus bewegt. 


Nach Vollendung der Trilogie „La vie intellectuelle, la vie industrielle, la vie agricole“, 1893, diente das Gebäude dem Maler weiterhin als Atelier und nach seiner Übersiedelung in den Jorat bei Orvin vorwiegend als Ausstellungsraum seiner Werke. Seit dem Übergang der Liegenschaft Unteres Ried an die Gemeinde Biel ist das Künstlerhaus nicht mehr im ursprünglich Sinn als Atelier und Ausstellungsraum genutzt worden.

Léo-Paul Roberts Bieler Atelier ist „das wohl stattlichste Künstlerhaus jener Zeit in der Schweiz“, (Dr. Georg Germann, Direktor des Bernischen Historischen Museums). Es ist heute als Baudenkmal von nationaler Bedeutung und als Werk und Wirkungsstätte eines bedeutenden Schweizer Malers unbedingt erhaltenswert.

Dr. lngrid Ehrensperger 


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Stiftung Atelier Robert
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